
Keine Angst, auf Fotos guckt der Kerl immer so grimmig-ernst, dabei ist er ein richtig sympathisch-witziger Typ mit absolut krankem Humor und einer Vorliebe für schicke Brillen.
Anlaß für diese längst überfällige Lobhudelei ist die deutsche DVD-Veröffentlichung seines jüngsten Werkes,
The Oxford Murders, aber zugegebenermaßen war's einfach überfällig, eine kleine Werkschau zu fabrizieren.
Spanische Regisseure haben sich in den letzten Jahren immens erfolgreich international etabliert, insbesondere im Horror- und Fantasysektor: Jaume Balaguero (REC), Guillermo del Toro (Hellboy) oder eben Alex de la Iglesia heben sich nicht nur durch ihren Stil wohltuend vom US-Einheitsbrei ab, sondern halten Tugenden des europäischen Filmes wie kunstvolle Kameraführung, liebevolle Ausstattung oder eigentümlich-bizarren Humor am Leben.
Der erste Film, mit dem Iglesia auf Genre-Festivals für Aufmerksamkeit sorgte, war
Accion Mutante (1993), eine absolut hemmungslose SciFi-Horror-Trash-Comedy vom feinsten, für die eigentlich ein neues genre erfunden werden müsste. Typischer, immens unterhaltsamer Indie-Unfug in bester Troma-Tradition. Für sein nächstes Projekt,
El Dia de la Bestia (1995), verließ Iglesia das SciFi-Genre und wechselte vollends zum bizarr-komischen Film mit Horror-Elementen, genauer: Ein total kaputter Metal-Freak und ein vom Glauben abgefallener Priester müssen die Wiedergeburt des Satans verhindern. Nach dem Überraschungserfolg von El Dia... bekam Iglesia die Gelegenheit, eine US-Produktion zu stemmen, und lieferte den Ammis sehr zu deren Entsetzen ein völlig enthemmt-morbides, vor allem in den USA sehr notorisches Roadmovie namens
Perdita Durango (1997): Embryonen-Schmuggel, schwarze Messen, Leichenschändung, massenhaft Sex&Drugs teils unter Beteiligung Minderjähriger und reichlich kranker Humor waren diesmal sogar den Amerikanern zu viel - Der Film existiert offiziell in den USA nur in geschnittener Form, während er sogar in Deutschland ungeschnitten in den Verleih kam und auch dank der geradezu bösartigen Abrechnung mit dem amerikanischen Puritanismus zu seinen besten Werken zählt. Nach einem eigenartigen Ausflug ins reine Comedy-Fach, tituliert
Muertos de Risa (1999), der es nie über Spanien hinaus geschafft hat, drehte Iglesia die auf Festivals wiederum höchst erfolgreiche, bitterböse Gesellschaftssatire
La Comunidad (2000), am besten umschrieben vielleicht durch "...und ewig schleichen die Nachbarn". Als nächstes nahm er eines seiner Lieblingsprojekte in Angriff:
800 Bullets (2002) ist eine ungeheuer sympathische Liebeserklärung an den Spaghetti-Western in Gestalt eines Trupps an ehemaligen Stuntmen, deren Kulissen-Westernstadt in der Sierra Madre, in der sie ihre erfolglose Westernshow aufführen, weichen soll für ein großes Bauprojekt. Doch die Möchtegern-Cowboys wissen auch, wie man mit echten Kugeln schießt, und so gipfelt der Film in einem wundervoll-bizarren Iglesia-typischen Finale, bei dem kompletter Wahnsinn auf echte Filmkunst trifft. Danach war wieder eine eher herkömmliche Komödie an der Reihe mit dem eigentümlichen Titel
Crimen Ferpecto (2004), in welcher es der schmierige Starverkäufer eines Mega-Kaufhauses mit einer sehr durchgeknallten Kollegin zu tun bekommt. Danach folgte ein Ausflug ins klassische Horrorgenre mit der Folge
The Baby's Room (2006) der fürs spanische TV produzierten Reihe Horror Anthology, bevor er schließlich mit
The Oxford Murders (2008) einen erstaunlich herkömmlichen Krimi inszenierte, dem leider sowohl der typische Humor als auch die schräg-sympathischen Charaktere seiner anderen Filme abgehen. Kein schlechter Film, aber in weiten Zügen einfach zu sehr Standardkost und leider ohne sichtbaren Spannungsbogen inszeniert.

So, wer jetzt Lust verspürt, in das Werk und Schaffen von Alex reinzuschnuppern, dem sei die
deutsche DVD-Box ans Herz gelegt, die zu einem attraktiven Preis La Comunidad, 800 Bullets und Das ferpekte Verbrechen beinhaltet. Aber ganz ehrlich: Die VOLLE Dröhnung gibt es nur mit seinen hemmungslosen Frühwerken, insbesondere Perdita Durango muss man einfach mal gesehen haben.
Das war's jetzt für Heute; nächstesmal ist dann
Sam "Evil Dead" Raimi an der Reihe.