Samstag, 29. Oktober 2011
The Human Centipede II - Full Sequence (2011)
Ja, meine Freunde, besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen, und für das Human Centipede-Sequel kann man schonmal das totgeglaubte Blog wiederbeleben.
Für's Sequel greift Regisseur Tom Six tief in die Meta-Schublade und erzählt von Martin, einem hochgradig gestörten Londoner Parkwächter (sind sie das nicht alle?!), der ein paar Mal zu oft den ersten Teil gesehen hat und sich jetzt auf die Mission begibt, in seiner Tiefgarage menschliches Material für die von Dr. Heiter im Film geplante namensgebende "Full Sequence" zu sammeln.
Interessanterweise geht Six beim Sequel auch stilistisch einen grundlegend anderen Weg als bei seinem Erstling: Weg mit den schon fast comichaft überzeichneten Charakteren, weg mit dem letzten bisschen ´tiefschwärzestem Humor den sich Teil 1 noch erhalten hatte: Full Sequence ist in kaltem Schwarz/Weiß gedreht und weiß den Zuschauer aufs effektivste zu gruseln durch extreme Reduktion und kühle Beobachtung der Kamera. Tom Six etabliert sich hier erstaunlicherweise als sehr talentierter Regisseur, der mittlerweile seinen Platz neben Rolf De Heer (Bad Boy Bubby) oder Gaspar Noé (Menschenfeind) mit großem Selbstbewußtsein völlig zurecht einnehmen darf. Gleichzeitig drängt sich auch der Vergleich mit Lars von Triers Antichrist auf, der gegenüber Human Centipede II jedoch geradezu erbärmlich versagt in seiner allzusehr gewollten und gekünstelten Provokation und dem offensichtlich demonstrierten Hass auf den Zuschauer.
Six verstört den Zuschauer diesmal tatsächlich nicht primär durch die komplett gestörte Grundidee und deren kompromisslose visuelle Umsetzung, sondern nimmt sich die Zeit, zutiefst gestörte Charaktere mit zerstörten Seelen zu erfinden und diese schonungslos dem Zuschauer vorzuführen. Sehr schwere Kost, die die wenigsten Menschen tatsächlich durchhalten dürften, aber gleichzeitig eine erstaunliche talentierte Vorstellung von Six, der sich tatsächlich in weitere Extreme steigern kann. Irritierenderweise schafft er es zum Höhepunkt hin - zu einem Zeitpunkt bei dem man schon befürchtet unmöglich weitergucken zu können- mit der ein oder anderen deftigen Prise abgrundtiefen Humors die gar schreckliche Vorstellung etwas zu entschärfen. Ohne zu viel zu spoilern: Als Martin merkt, dass seine chirurgischen Fähigkeiten keinesfalls reichen, um Menschen professionell ass-to-mouth aneinanderzunähen, wendet er sich einer praktikableren Lösung zu. Eieieieieiei... Man muß blanke Angst vor dem Abschluß der Trilogie haben beziehungsweise vor jedem weiteren Film, den der Kerl noch drehen wird. Mehr Details mit heftigsten Spoilern gibt es in der BBFC Classification, die auch verrät, welche Szenen für ein 18er Rating verschwinden mussten: http://www.bbfc.co.uk/AFV278459/
Wie schon beim ersten Teil möchten wir uns eine Punktwertung sparen, legen den Film aber jedoch allen Fans von Rolf De Heer oder Gaspar Noé wärmstens ans kalte, kranke Herz. Eine filmische Grenzerfahrung, die ihresgleichen sucht.
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2 comments:
na endlich!
Im Endeffekt ist Tom Six ein verkappter Biologe - denn wie heißt schon die goldene Biologie-Regel?
"Steh nie am Ende der Nahrungskette"
;-)
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